Peugeot PX 50 – 1960er – Restaurierung

Es ist zwar nicht das prestigeträchtigste Reiserad / Randonneur seiner Zeit aber definitiv eines mit Kultstatus. Die schlichte Eleganz, Qualität und der zeitlose Charme fällt einem erst beim genaueren Hinschauen ins Auge. Mehr dazu etwas weiter unten.

Ziel ist das Peugeot möglichst originalgetreu zu Restaurieren – jedoch nicht um jeden Preis. Ich denke hierbei an eine „modernere“ Beleuchtung und leichte Schutzbleche (sollte aber kein zu krasser Stilbruch werden).

Zuerst mal etwas zum Zustand. Als mich das Rad erreichte, war es in einem fahruntüchtigen und vernachlässigten Zustand. Einige Teile fehlten, andere wurden der Oxidation freigegeben. Fotos sagen hier mehr als tausend Worte.

Nach der Bestandskontrolle war klar, dass wird viel Arbeit…

Der Reiz war größer als die Scheu und ich begann mit einer groben Reinigung. Diese gestaltete sich als sehr aufwendig, da die Patina dick und alt war. Das hat aber auch für eine gute Konservierung über die letzten Jahrzehnte gesorgt.

Im nächsten Schritt fing ich mit dem kompletten Teardown an. Schon war der erste Tag fast um – nachdem ich mich über einen festgefressenen Kurbelkeil geärgert hatte. Aber auch am nächsten Tag mit frischen Saft in den Ärmeln wollte sich der Keil nicht lösen. In der Regel funktioniert eine dieser Techniken bei widerspenstigen Teilen:

  • Kriechöl (und Zeit)
  • Hitze
  • Kälteschock
  • Kraft, Hammer und ein guter Durchschlag
  • Auspressen mit dem Schraubstock
  • Mutter lösen, Radfahren und warten bis die Kurbel sich von selber löst (hier nicht möglich)
  • Hoffnung und Zuversicht

Hier funktionierte nichts! Somit musste der Keil aufwendig ausbohrt werden.

Peugeot PX 50 Simplex 1960 1970 Ideale PX50 velo.wien

Auf den Fotos wird ersichtlich, dass der Kunststoffbody des Werfers gebrochen war. Damals war herkömmlicher Kunststoff ein wertvolles „Hightech“ Material – leicht, stabil, flexibel und nicht formgebunden. „Plastik“ war durchaus in Produkten im oberen Preissegment zu finden. Heute, fast 60 Jahre später, sehen wir das etwas anders. Es sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich um durchaus gute Qualität handelt. Anderenfalls wären die Simplex Kunststoff Komponenten schon lange aus dem Alltag verschwunden!

Zum Glück hat die Fa. Simplex über die Jahrzehnte nicht allzu viel an der bewährten Konstruktion verändert und ich musste nur kurz in meine Fundus Kiste greifen und hatte einen nahezu identen Werferbody zur Hand. Getauscht, geputzt, geölt und schon war er wieder heile.

Auch das Schaltwerk und die Pedale bekamen etwas Zuneigung – Gereinigt, entrostet, geschmiert, eingestellt und neue Körbchen mussten her. Auf dem Foto mit den Pedalen ist gut zu erkennen, was man bei einer anständigen Chromstärke, mit etwas feiner Stahlwolle und Durchhaltevermögen noch alles rausholen kann.

Danach widmete ich mich dem Ideal Record Ledersattel. Das Leder war schon sehr hart, ausgefärbt, verdreckt und etwas verformt. Nach einer lauwarmen Dusche, Massage mit einer Bürste und etwas Seife, kam unfassbar viel Dreck und Farbe raus. Danach war Bondage zur Formgebung angesagt. Zwei Tage später war er auch schon wieder trocken und knüppelhart.

Nach einer Behandlung mit etwas Lederfett und einer intensiven Massage wurde er langsam wieder weich und geschmeidig. Für Nachmacher sei an dieser Stelle gesagt: Nur nicht zu viel Fett und zu kräftige Massagen, sonst ist das Kernleder hinüber.

Man kann das Leder vor dem Fetten auch färben. Ich mache das nicht da ich die natürliche Farbe als schöner erachte.

Jetzt geht’s an die Lager! Sprich Steuersatz, Tretlager und ein Laufradservice. Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie sich eine entsprechende Fertigungsqualität, Materialwahl und eine Oberflächenbehandlung über Jahrzehnte bewährt! Man bedenke alle Lager sind „offen“ haben keine Dichtung gegen Staub und Verschmutzung. ALLE Lager waren in einem sehr guten Zustand und waren nach einem Service wieder butterweich und einwandfrei.

Das ist alles andere als selbstverständlich! Durch meine Hände gehen jährlich wohl mehrere hundert Fahrräder und es ist bemerkenswert, wie gut man bereits damals Lager bauen konnte. Das hat man in späterer Folge wohl gewollt wieder vergessen und verbaut heute im besten Fall Industrielager, die bei weiten nicht so langlebig sind und auch meist nicht gewartet (nachgestellt) werden können. Das gleiches gilt für Ketten, die Originale war fast am Ende und musste getauscht werden. Zum Glück habe ich noch Altbestände auf Lager 🙂

Bei der Gelegenheit wurde das Tretlager und die Sattelstütze abgedichtet, um den Fremdkörpereintrag zu minimieren.

Peugeot legte damals offenbar großen Wert auf kleine Details. Beispielsweise besitzt das Rad gelötete Kabelführungen für die Beleuchtung, dezent unauffällige Seilspanner, aufwendig gerändeltes und gewichtsreduziertes Steuerlager, spezielle Sattelklemme mit der Möglichkeit einer präzisen Sattelneigungseinstellung Alle Lötstellen wurden sehr fein und präzise verarbeitet.

Der Rohrsatz trägt die Aufschrift „Inoxydable“ und deutet auf eine haltbare Chrom-Molybdän Legierung hin. Nicht zu vergessen sind die typischen „Stufen-“ Steuerrohr Muffen, welche durch einen schwarzen Akzent und goldene Handlinierung in Szene gesetzt wurden. Hier ein paar Bilder dazu:

Da nun etwas Warten auf die Mafac Bremsen aus Frankreich angesagt ist, gibt es hier einen kleinen Zwischenstand. Bisher sind etwas mehr als 3 Arbeitstage in das Projekt Peugeot PX50 geflossen.

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